Würdigungspreis Ministerium für Wissenschaft und Kunst 2012
für Violaine Thel
Don Carlos, « grand-opéra à la française » von Giuseppe Verdi, nach der gleichnamigen Tragödie von Schiller wurde 1867 in Paris uraufgeführt. Diese ursprüngliche Version in 5 Akten stellt Konstellationen « romantischer » Helden auf die Bühne. Hoffnungslos nach Ideal strebend, durch die zerstörerischen Kräfte ihrer Leidenschaft gezwungen, die heftig an den blinden Regeln einer fanatischen Gesellschaft stoßen, sind sie die zerrissenen und unbefriedigten Figuren der Geschichte einer radikalen Desillusionierung.

Diese vielförmige Arbeit, ein Aggregat aus Texten, Skizzen, Notizen, Zeichnungen, Filmen, … versucht die Entwicklung des Denkens auf der Suche nach einem lyrischen Bild, in dem Raum, Licht und Kostüm verbunden sind, zu dokumentieren.

Die Vorgehensweise einer Bühnen- und Kostümbildnerin enthüllend, geht es darum Reflexionsmechanismen zu unterstreichen, die zum Entwurf einer Szenografie und einer Architektur des Intimen, auf der nackten Haut, führen: Ein Raum, der gleichzeitig strukturierend und schwankend wirkt, in dem die Dramaturgie des Werkes sich völlig ausdrücken kann, der Zusammenstoßen und Eindringen zulässt, der zwischen der Darstellung gesellschaftlicher Grammatik und Geografie der Ungreifbarkeit hin und her pendeln kann.

Sowie der private Bereich des Kostüms, der die brennende Dialektik dieser Figuren des Zweifelns, dieser absoluten Allegorien der Unmöglichkeit des Vergessens, der Unfähigkeit des Menschen den Träumen seiner Jugend treu zu bleiben, aussagen kann. Basierend auf einer dramaturgischen Analyse des Werkes, beschreibt diese, zugleich theoretische und visuelle Arbeit die Schaffungswege einer dramatischen Landschaft für eine melancholische Fiktion – verdammt an den Rand der Nacht.


Bundesministerium für
Wissenschaft und Forschung
Minoritenplatz 5
1014 Wien