"Ein Sportstück" von Elfriede Jelinek
 

"Ein Sportstück" von Elfriede Jelinek

Abschlussproduktion des 4. Jahrgangs Schauspiel

|Theater im KunstQuartier
|Paris-Lodron-Straße 2a
|5020 Salzburg

18.01.2013 | 20:00
19.01.2013 | 20:00
25.01.2013 | 20:00
26.01.2013 | 20:00
02.02.2013 | 20:00
03.02.2013 | 20:00

Veranstalter: Abt. für Schauspiel und Regie
Regie: Tina Lanik
Dramaturgie: Irma Dohn
Bühnenbild und Kostüme: Loriana Casagrande, Sophie M. Frauscher, Linda Hofmann, Janna Keltsch, Amelie Klimmeck, Lisa Nickstat (Studierende der Abt. Bühnengestaltung)

Es spielen: Clemens Ansorg, Diana Ebert, Sofie Gross, Robert Herrmanns, Tim-Fabian Hoffmann, Agnes Kammerer, Johannes Lange, Josephine Raschke, Martin Trippensee, Simon Werdelis

Erfolg beim Theatertreffen der Schauspielstudierenden am 29.06.2013 in Berlin: Mit der Abschlussproduktion "Ein Sportstück" von Elfriede Jelinek haben die Studierenden beim 24. Theatertreffen deutschsprachiger Schauspielstudierender in Berlin einen mit 5000 € dotierten Ensemblepreis sowie den mit 500 € dotierten Preis der Studierenden gewonnen. Der Preis ist am Samstagabend, 29.6. zum Abschluss des Festivals von einer internationalen Expertenjury verliehen worden.

SPORTSTÜCK ist ein Sprachteppich aus polyphonen Stimmen, in den Elfriede Jelinek Motive und Themen einwebt und so ein vielschichtiges Vexierbild der Wirklichkeit entstehen lässt: Eine narzisstische Mutter schickt ihren Sohn in den Krieg des Sports oder auch in den Krieg selbst, um an seinem Ruhm teilzuhaben, der ihr als Mutter am heimischen Herd verwehrt bleibt. Efriede Blauensteiner – genannt die „Schwarze Witwe von Wien“ – erleichtert alte Männer zuerst um ihre Ersparnisse, dann um ihr Leben. Sie sagt: „Das Töten ist einfach mein Lieblingssport“. Und als Wiedergänger aus seinem Grab spricht der steirische Bodybuilder Andreas Münzer („der Andy von der Pack“), der seinen Körper durch Anabolika zerstört hat, weil er seinem großen Idol Arnold Schwarzenegger nacheifern wollte.

UND AUCH in „Sportstück“ ist es da, das große Thema der Elfriede Jelinek, an dem sich die sprachgewaltige Dichterin obsessiv abarbeitet: Die verdrängte Vergangenheit, unser Weiterleben auf den Massengräbern der Toten, die nicht sterben können und als Untote der Geschichte wiederauferstehen und keine Ruhe geben. Aber das Besondere an ihrem 1998 geschriebenen Text ist der „radikale Subjektivismus“, mit dem sie sich als Autorin in ihren Text eingeschrieben hat. In verschiedenen Aufspaltungen ihres Autorinnen-Ichs meldet sie sich immer wieder zu Wort; eine große Entlarverin und Selbstverhüllerin zugleich, die sich maskiert und demaskiert – gleich einer Pop-Ikone.

DER HASS AUF DEN SPORT durchzieht alle meine Bücher“, sagt die Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek in einem Interview und fährt fort: „Dabei geht es nicht um den Sport an sich, sondern um den Sport als Massenphänomen und das einzig sanktionierte Auftreten von Gewalt.“ Ganz im Sinne von Canettis „Masse und Macht“. Oder wie sie in ihren Regieanweisungen zu „Sportstück“ bemerkt: „Vielleicht handelt das ganze Stück aber auch von was ganz andrem.“

TINA LANIK, Regisseurin am Bayerischen Staatsschauspiel und am Schauspielhaus Zürich, inszeniert nach Schimmelpfennigs „Der Goldene Drache“ (ausgezeichnet mit dem Ensemblepreis beim Schauspielschultreffen in Hamburg) zum zweiten Mal am Mozarteum.

Bild:© C. Christian Schneider